Solidarität im Kampf gegen Angriffe auf die Daimler-Belegschaften!

8. Oktober 2020 Solidaritätsmitteilung von den Koordinatoren der ICOG

Weltweite Solidarität im Kampf gegen die massiven
Angriffe auf die Daimler-Belegschaften!
Konzernweiter Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!
Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit Empörung lehnen wir die am 23. September bekannt gewordenen provokativen Pläne des Daimler-Vorstands zur Schließung von Standorten und weitere massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland ab. Im Juli wurde noch in einer Eckpunkte-Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 zugesichert. Aktuell wurde bei MAN, wo 9.500 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen, die Betriebsvereinbarung zur Beschäftigungsgarantie bis Ende 2029 gekündigt. Es zeigt sich, dass diese Vereinbarungen lediglich Beruhigungspillen sind. Jetzt verkündet der Daimler-Vorstand auf einer Investorensitzung: Die Profitlinie muss höher werden, 20% „Einsparungen“ vor allem beim Personal. Geschätzt wird von Insidern, dass in den nächsten Jahren insgesamt 20 – 30.000 Arbeitsplätze bei Daimler vernichtet werden sollen. Daimler orientiert auf „freiwillige“ Abfindungen, Altersteilzeit oder Frühpensionierungen. Doch jeder vernichtete Arbeitsplatz fehlt unserer Jugend schmerzlich. Deshalb Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Daimler greift jetzt mit seiner Ankündigung übergreifend Belegschaften an mehreren Standorten in Deutschland an. Wir lehnen entschieden jeden Versuch ab, die Daimler-Konzernbelegschaften nach internationalen Standorten, Ost und West, Produktion und Verwaltung, Jung und Alt aufzuspalten und gegeneinander auszuspielen. Diese massiven Angriffe auf erfahrene und kampferprobte Belegschaften erfordern den konzernweiten Zusammenschluss, mutigen Kampf bis hin zum konzernweiten Streik. Dafür machen wir uns stark und stehen an der Seite der kämpfenden Belegschaften. Wir wünschen euch und uns viel Kraft, Ausdauer und Solidarität. Als Internationale Automobilarbeiterkoordination werden wir euren Kampf weltweit bekannt machen und rufen die internationale Automobilarbeiterbewegung auf, sich fest und solidarisch an eure Seite zu stellen.
Mit der Ankündigung, die Fertigung von Verbrennungsmotoren ins Ausland und nach Kölleda/Thüringen zu verlagern, sind die Standorte Stuttgart-Untertürkheim, Mannheim und Berlin-Marienfelde voll betroffen. Allein in Untertürkheim sollen bis 2025 4000 von 19000 Arbeitsplätzen vernichtet werden. Die bisher dort versprochene Batteriefertigung steht in Frage. Das Südwerk in Berlin-Marienfelde, sowie das Werk in Sirnau (Esslingen) sollen geschlossen werden. Im Montagewerk in Sindelfingen wird mit dem Verlust von mindestens 4000 Arbeitsplätzen und einer weiteren Flexibilisierung mit Samstagsarbeit gerechnet. In Bremen soll mit einem neuen Schichtmodell eine Samstagsspätschicht eingeführt werden. Aus Düsseldorf wird berichtet, dass bereits ab November 1300 befristete Kolleginnen und Kollegen rausfliegen sollen. Das kann nicht akzeptiert werden und fordert den gemeinsamen konzernweiten Kampf heraus.
Die Lösung kann zudem nicht darin bestehen, den Erhalt der Verbrennungsmotoren zu fordern, um die Arbeitsplätze zu sichern. In unserem Internationalen Kampfprogramm führen wir dazu aus: “Wir Automobilarbeiter*innen sind uns des beträchtlichen Anteils der Automobilindustrie an der schwerwiegenden globalen Umweltverschmutzung bewusst. Wir kämpfen darum, dass die Automobilproduktion nicht länger umweltschädlich bleibt. Wir müssen weg von der Verbrennung fossiler Brennstoffe, sowohl beim Antrieb, als auch bei Produktion und Wiederverwertung der Rohstoffe.“ Dabei ist ein enger Schulterschluss von Arbeiter- und Umweltbewegung notwendig im gemeinsamen Kampf gegen den Übergang in eine globale Klimakatastrophe.
Die Daimler-Belegschaften in Deutschland waren 1984 ein aktiver Faktor im Kampf der IG Metall für die 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich. 1996 wurde erfolgreich die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verteidigt. Die Belegschaften bei Daimler waren dabei eine Speerspitze im bundesweiten Kampf. An ihrem Widerstand scheiterte 2004 die beabsichtigte Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche.
Besetzung der B10 bei Stuttgart Mettingen durch die Daimler-Kollegen beim Aktionstag 2004

Bei Renault sollen ebenfalls 15000 Arbeitsplätze vernichtet werden, davon 4000 in Frankreich. In Brasilien bei Renault in Paraná, São José dos Pinhais, wurde durch einen unbefristeten Streik im Juli verhindert, dass 747 Kollegen entlassen werden. In Barcelona erreichten die Kollegen durch einen fast 100-tägigen Streik, dass die Schließung des Werks bis Ende 2021 aufgeschoben wurde. Für die 3000 betroffenen Nissan-Kollegen wurde ein finanzieller Ausgleich vereinbart. Doch 3000 Arbeitsplätze sind weg, mit Auswirkung auf bis zu 20000 Arbeitsplätzen der Zulieferer und in der Region. 1600 Kollegen kämpfen mit dem Verkauf des Smart-Werks durch Daimler in Forbach in Frankreich um ihre Arbeitsplätze. Bei all diesen Streiks und Kämpfen ist die internationale Unterstützung und Solidarität sehr wichtig. Keine Belegschaft und Standort darf allein gelassen werden.
Warum greift Daimler jetzt gerade diese kampferfahrenen und gut organisierten Belegschaften an?
Ganz offensichtlich steht der Daimler-Vorstand unter erheblichem Druck im internationalen Konkurrenzkampf, vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und Strukturkrisen durch die Digitalisierung und Übergang zur Elektromobilität, verschärft durch die Corona-Pandemie. Allein im 2. Quartal 2020 nennt Daimler einen Verlust von 2 Milliarden Euro verbunden mit erheblichen Absatzrückgängen. Deshalb dieser Frontalangriff, der sofort mit voller Kampfkraft und Streiks beantwortet werden muss und nicht mit dem Vertrösten auf monatelange Verhandlungen. Die Pläne von Daimler müssen vom Tisch!
Konzernweiter Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz bei Daimler!
Gegen die massive Abwälzung der Krisenlasten auf die Kolleg*innen und ihre Familien!
Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!
Hoch die Internationale Solidarität!

Mit solidarischen Grüßen
Ed Cubelo (Philippinen), Dieter Schweizer (Deutschland)
Koordinatoren der ICOG

Im Link geht es zum Kampfprogramm was bei der 2. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in Vereeniging/Südafrika im Februar 2020 verabschiedet wurde. http://www.inter-buendnis.de/internationales-kampfprogramm-der-automobilarbeiterinnen-und-ihrer-familien/

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