Info-mail zur Corona-Krise

22.7.20

Liebe Kollegen/innen und Freunde,


Unverändert schaukelt sich die Covid-19 Pandemie – in Wechselwirkung mit der sich dramatisch verschärfenden Weltwirtschaftskrise und anderen gesellschaftlichen Krisenerscheinungen – weiter auf. Das wirft auch für uns als Mediziner und anderen Gesundheitsberufen täglich neue Fragen auf und fordert uns heraus.


Dass dieser Rundbrief etwas verzögert erscheint, hat nicht nur mit der Urlaubszeit zu tun, sondern ist auch den intensiven Vorbereitungen für die Herausgabe unseres Buchprojekts geschuldet. „Covid-19 – eine neuartige, gefährliche, besiegbare Krankheit“ ist der Titel. Es wird voraussichtlich Anfang September erscheinen. Und es wird auch eine Reihe der in den Infomails bereits enthaltenden Zusammenhänge und Hintergründe enthalten. An alle, die mit ihren Hinweisen und Diskussionsbeiträgen dazu beigetragen haben, an dieser Stelle bereits vielen Dank. Wir sind jetzt schon sehr gespannt auf die Reaktion aus der Öffentlichkeit und aus unseren Reihen.

Herzliche Grüße
Willi Mast, Günther Bittel, Günter Wagner

Neue Daten bekräftigen die Eigenheit von Covid-19 als neues Virus
Immer häufiger dringen Meldungen an die Öffentlichkeit über Langzeitschäden bei Infizierten. Dabei sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht neu – wir haben seit 3 Monaten wiederholt in unseren Rundbriefen darüber berichtet. Offensichtlich sind die Wissensdefizite auch unter Ärzten erheblich.
„Die Art und Weise, wie Covid-19 das Gehirn attackiert, haben wir bei anderen Viren noch nie zuvor gesehen“, so Dr. Michael Zandi, leitender Autor einer Studie am University College London Hospitals. In ihrem Bericht im Fachjournal „Brain“ beschreiben die Ärzte schwerwiegende neurologische Symptome und Hirnschäden, selbst bei Patienten mit einer leichten Covid-19-Symptomatik. Von 43 Corona-infizierten Patienten mit neurologischen Auffälligkeiten hatten 10 eine vorübergehende Gehirnerkrankung mit Delirium oder Psychose, 9 eine akute disseminierte Enzephalomyelitis (akute Entzündung des Zentralnervensystems), 8 hatten einen Schlaganfall und 8 weitere wiesen Probleme an peripheren Nerven auf. Immer häufiger wird auch über Patienten mit chronischem Fatigue-Syndrom (CFS) und extremer Müdigkeit nach Covid-19-krankheit berichtet. Die Patienten klagen über Konzentrationsschwäche, „Gehirnnebel“, Leistungsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit (Berufskrankheit bei medizinischem Personal!). Diskutiert wird, inwieweit es sich dabei auch um eine virusbedingte Autoimmunreaktion handelt, die auch das autonome Nervensystem beeinträchtigen (Flush, Herzjagen, Schlafstörungen etc). Überlastung durch Sport etc. sollte in und nach der Akutphase der Infektion auf jeden Fall vermieden werden, sie kann die Beschwerden verstärken und auch einen Fieberanstieg hervorrufen.

Studien an Covid-19 Patienten an der Münchener Klinik Schwabing, der Uni Lübeck und chinesischer Forscher bestätigen, dass nach der Infektion häufig nur eine Teilimmunität gegen CoV2 besteht. Infizierte (Studie China) mit wenig Symptomen bildeten weniger Antikörper (62,2 %) als mit Symptomen (78,4 %). Die Menge an Antikörpern sank auch unterschiedlich stark in zwei Monaten ab. Die Studie in München zeigte, dass die Zahl der neutralisierenden Antikörper bei einem Teil der Infizierten seit Januar schnell absinkt (4 von 9 Patienten). Daraus darf aber nicht voreilig geschlossen werden, dass es grundsätzlich keinen Langzeitschutz gibt,
• da kein schützender Antikörper-Schwellenwert wissenschaftlich feststeht,
• und da vor allem auch die T-Zell-Immunität (zytotoxische Reaktion) relevant ist. Das bedarf weiterer Untersuchungen.


• Laut einer Studie der Universität Essen, die am 22.7.20 in der WAZ erstmals publik gemacht wird, wurden bei SARS-CoV2-Infizierten ausreichende Antikörperspiegel, die nach einigen Wochen auch noch nicht abgesunken waren, ebenso auch eine adäquate T-Zell-Reaktion. Die Autoren rechnen mit einem Infektionsschutz von Monaten bis Jahren.
• Diese widersprüchlichen Ergebnisse bedürfen einer weiteren Klärung und einer Großstudie!

Aerosole stärker im Fokus
Im Zusammenhang mit der Öffnung der Schulen und Kitas warnte der Virologe Professor Christian Drosten vor der zusätzlichen Übertragung des Virus durch feinste Schwebeteilchen (Aerosole) in der Luft, vor allem in Räumen. In einem Brandbrief an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderten 200 Wissenschaftler, dass diese endlich die neuen Erkenntnisse über den Verbreitungsweg Luft in ihre Gefahrenabwägung und Präventionspläne aufnimmt.
Diese Diskussion gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil die genetische Variante des Virus, die inzwischen bei mehr als 60 % der Infizierten in Europa anzutreffen ist, eine um das 6-fach höhere Infektiosität aufweist als frühere Virusvarianten.
Die Übertragung des Virus durch die Lüftungsanlage speziell im Schlachtbereich spielte auch bei Tönnies eine wesentliche Rolle. Eine Trennung der Luftführung von abgegebener Luft und Frischluftzufuhr wurde aus Profitgründen unterlassen, um Energie für das ständige Herabkühlen der Außenluft einzusparen. Luftfilter oder Inaktivierungsmaßnahmen durch UV-Licht gab es nicht. Seit 15.7. darf im Tönnies-Hauptwerk Rheda-Wiedenbrück wieder geschlachtet werden.

Höchststand der Coronavirus Neuinfektionen auf internationaler Ebene
Weltweit sind jetzt 13,4 Millionen Menschen infiziert, 580.000 Menschen in Verbindung damit gestorben (Stand 15.7.2020). Mit ihrer verbrecherischen Verharmlosung der Coronainfektion, Verweigerung von jeglicher Gesundheitsvorsorge und Politik der freien Hand für die Monopole nehmen Trump, Bolsonaro, Johnson und Co. Millionen Infizierte und hunderttausende Tote in ihren Ländern in Kauf. In den USA sind 3,5 Millionen Menschen infiziert, 137.000 gestorben, in Brasilien 1,9 Millionen infiziert und 74.000 gestorben. Die Zahl Infizierter steigt dort immer rascher an. Mit 67.417 Neuinfektionen am 14.7., verzeichnete die USA ein neues Rekordhoch. Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci warnte erst Anfang letzter Woche davor, dass die Schwelle von 100.000 Neuinfektionen am Tag überschritten werden könnte, sollten keine Maßnahmen wie das Tragen von Masken oder Abstandsregeln befolgt werden. Eine Reihe von Bundesstaaten musste bereits die Lockerung von Corona-Einschränkungen zurücknehmen. Selbst in Texas, wo viele Menschen in jeder neuen Verkehrsregel einen Schritt in die Knechtschaft sehen, hat der Gouverneur nun eine Maskenpflicht angeordnet. Die Testlabore sind überlastet. Der brasilianische Präsident Bolsonaro verabschiedete am 2.7. eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, allerdings in abgeschwächter Form. Er legte aber am 3.7. sein Veto gegen eine Maskenpflicht in Kirchen, Schulen, Geschäften und Produktionshallen ein.
Indien hat mit 936.000 Infizierten Russland mit 745.000 Infizierten überholt und der Anstieg geht drastisch weiter.
Ein neuer Hotspot ist Süd- und Mittelamerika mit Peru auf Platz 5 (334.000), Chile Platz 6 (321.000) und Mexiko auf Platz 7 (312.000). Auf Platz 8 ist bereits Südafrika mit 298.000 Infizierten.

Die Neuinfektionen erreichen mit über 10.000 pro Tag immer neue Höchstraten. Steigende Arbeitslosigkeit und Hunger treibt die Menschen mehr um als die Ansteckungsgefahr. Statt Massentestung und Präventionsprogramme setzt die Regierug auf Alkoholverbot und nächtliche Ausgangssperren.


In Europa weisen England, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien die höchsten Zahlen von Infizierten auf. Dahinter liegt Schweden, das allerdings 3x mehr Infizierte hat als andere skandinavische Länder. Europaweit ist die Epidemie also – außer in England – einigermaßen unter Kontrolle. Auffällig ist, dass Deutschland mit Abstand die wenigsten Corona-Toten pro Mio. Einwohner hat, etwa 4-6x weniger als andere EU-Länder – wahrscheinlich auf Grund des noch gut funktionierenden Gesundheitswesens. Der Gipfel der Sterblichkeit lag zwischen der 12.-21. Woche.

China gibt insgesamt 83 000 Infizierte an und 4600 Tote, aktuell nur ca. 6 Neuinfektion pro Tag.
Die beispiellos guten Zahlen von Kuba auf Grund einer gut funktionierenden gesundheitlichen Basisversorgung werden in der offiziellen Statistik meist nicht genannt.

Zahlen über die Patienten mit Langzeitschäden liegen nicht vor, weil sie bislang gar nicht erfasst werden – obwohl wissenschaftliche Daten über dieses Problem bereits seit 2-3 Monaten vorliegen.

Zweite Welle beginnt
In Ländern mit drastischen Maßnahmen wurde die Zahl der neu Infizierten massiv gesenkt; die Lage ist aber brüchig. Immer wieder gibt es Hotspots bzw. erfordert der Anstieg schon wieder neue Maßnahmen, um eine zweite Welle zu verhindern.
Der seit dem 14. März bestehende Corona-Notstand endete am 21. Juni in Spanien. Seither dürfen sich die 47 Millionen Spanier wieder frei in ihrem Land bewegen. Urlauber dürfen inzwischen auch wieder einreisen. Nach der Abriegelung der katalanischen Region Segria mit 200.000 Einwohnern, wurde jetzt der Landkreis A Marina (Provinz Lugo) im Norwesten mit 70.000 Menschen für 5 Tage abgeriegelt. Der regionale Gesundheitsminister Jesus Vazquez Almuina sagte, dass die größten Ausbrüche mit mehreren Bars in Verbindung stehen.

In den Balkanländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien schnellen die Infektionszahlen wegen geringer Massnahmen der Regierung nach oben, weshalb Reisewarnungen von der österreichischen und der deutschen Regierung ausgesprochen wurden.
Ganz Frankreich gilt seit Mitte Juni als grüne Zone, womit die wirtschaftlichen Beschränkungen bald komplett gefallen sind. Restaurants und Cafés durften wieder öffnen, auch Touristenunterkünfte sind fast alle wieder zugänglich. In öffentlichen Verkehrsmitteln ist Maskenpflicht.
Mit Lockerungen bereits ab 1. Mai war Österreich Vorreiter in Europa. Die Pflicht, beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Mund und Nase zu bedecken, fiel am 15. Juni. Das musste die Regierung jetzt aktuell wieder zurücknehmen wegen erneutem Anstieg der Zahl der Infizierten.

In den Niederlanden sind die Grundschulen seit dem 11. Mai wieder offen – zunächst für je die Hälfte der Schüler pro Tag. Seit dem 1. Juni dürfen alle Schulen und eingeschränkt auch Museen und Cafés wieder öffnen.
Erstmals seit mehr als drei Monaten dürfen die Menschen in England wieder Pubs, Restaurants, Friseure und Museen besuchen.
In der Schweiz stieg die Zahl der Neuinfektionen nach Rücknahme der Einschränkungen in den 26 Kantonen wieder an. Es gilt wieder eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zuvor war dies nur empfohlen und wenig umgesetzt worden. Ausgerechnet die Nachtclubs bleiben trotz dort mehrfach dokumentierten Virusübertragungen weiter geöffnet.

In EU-Ländern gelten trotz Öffnung der EU-Binnengrenzen Beschränkungen für Schweden. Der umstrittene Sonderweg des Landes – Schulen, Geschäfte und Restaurants blieben weitgehend offen – führte zu viermal mehr Todesfällen als im restlichen Skandinavien. Das Land weist über 76.500 Infektionsfälle und 5672 Todesfälle auf (15.7.). Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell bereut inzwischen einen Teil seiner Strategie. Der Schutz der Älteren in schwedischen Senioreneinrichtungen sei gescheitert und die Todesrate «schrecklich», sagte Tegnell im schwedischen Radio.

In Israel war die Zahl der täglichen Neuinfizierungen im Mai auf wenige Dutzend gesunken. Dann hat die faschistoide Regierung von Benjamin Netanjahu auf einen Schlag Schulen, Betriebe, Bars und Fitnesscenter wieder geöffnet. Triebkraft war die tiefe Wirtschaftskrise mit etwa 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Die Lockerungen haben eine zweite Welle der Pandemie ausgelöst. Anfang Juli gab es bereits über 1.000 Neuinfektionen am Tag, im Verhältnis zur Bevölkerung ein internationaler Spitzenwert.

Südkorea gilt wegen seiner Test- und Quarantänemassnahmen als Vorbild. Doch mittlerweile sehen die Gesundheitsbehörden das Land einer zweiten Infektionswelle mit Schwerpunkt in und um Seoul ausgesetzt. Wegen der Häufung von Infektionen in Bars und Nachtklubs sind in der Hauptstadt sämtliche nächtliche Unterhaltungseinrichtungen geschlossen. Für Fahrgäste in öffentlichen Transportmitteln inklusive Flugzeugen gilt eine Maskenpflicht.
In Japan gab es in den letzten Tagen die höchsten Tagesanstiege an Corona-Neuinfektionen seit zwei Monaten, wie die Behörden meldeten. Die Gouverneurin von Tokyo, Yuriko Koike, appellierte an die Menschen, das Nachtleben zu meiden. Die 20- bis 30-Jährigen machten etwa 70 Prozent bei den Neuinfektionen aus.

Nach neuen täglichen Rekord-Infektionen zwischen 100 und 200 im Australischen Bundesstaat Viktoria schloss die Regierung die Grenze zwischen den beiden bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Australiens – New South Wales und Victoria auf unbestimmte Zeit. In Melbourne, der Hauptstadt Victorias, gelten in 30 Stadtteilen Ausgangssperren, neun Wohnbauten mit Sozialwohnungen sind unter Quarantäne gestellt.

Deutschland im Vergleich: 201.000 Infizierte und 9.080 Tote. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland betrug 2237 in den letzten 7 Tagen = 320 pro Tag (2,7 pro 100.000 Einwohner). (RKI, 15.7.2020). 248 Covid-19 Fälle sind aktuell in Behandlung im Intensivmedizinischen Bereich, davon werden 120 beatmet (32.489 Intensivbetten in der BRD, DIVI-Intensivregister) 82 Prozent der Menschen halten Schutzmassnahmen für sinnvoll oder wollen strengere Massnahmen, 17% halten sie für zu streng. Nachdem Deutsche und Briten am vorletzten Wochenende am Ballermann in Mallorca jede Schutzmassnahme ignorierten, Lokalbesitzer und Polizei wegschauten, schloss die Inselregierung die Lokale für zwei Monate. Solche unverantwortlichen Partys haben das Potenzial von Ischgl, ein Virus-Hotspot für ganz Europa zu werden.

Eine aktuelle Analyse der Universitätsklinik Dresden an 2045 Blutproben von Lehrern und Schülern sächsischer Schulen ergab 12 positive Befunde auf Antikörper. Im Vergleich zu Untersuchungen im März war das kein Unterschied. In Sachsen ist Schichtunterricht und Klassen halten sich getrennt auf dem Schulhof auf. Die Autoren bewerten diese Ergebnisse so, dass Schulen bei (kontrollierten) Öffnungen im allgemeinen nicht drohen, zu Hotspots zu werden.

Corona-Pandemie befeuert Anstieg Todeszahlen durch Malaria, HIV, Tuberkulose und andere Massenkrankheiten.

Weltweit sterben fast drei Millionen Menschen jährlich an HIV, Tuberkulose und Malaria, vor allem in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen, die sich die Medikamente nicht leisten können wegen eines fehlenden öffentlichen Gesundheitswesens. Auf Grund der Fokussierung auf Corona, ist die Versorgung z.B. mit HIV-Medikamenten zusätzlich angespannt; Betroffene gehen wegen Lockdown-Maßnahmen nicht mehr in Krankenhäuser. Kampagnen zur Verteilung von Moskitonetzen sind unterbrochen. Die medizinische Fachzeitschrift „Lancet Global Health“ schätzte, dass möglicherweise mehr Menschen zusätzlich an HIV sterben könnten als durch Covid-19.

Imperialistischer Konkurrenzkampf um Impfstoffe/Medikamente:

Der Konkurrenzkampf wird immer grotesker. Der Wirkstoff Remdesivir, der gegen Ebola entwickelt wurde, verkürzt den Klinikaufenthalt schwer Infizierter. Dieser erste Befund muss weiter bestätigt werden. Dafür haben US- und EU-Behörden gezielte Anwendungen erlaubt. Trump kaufte 3-Monatsproduktionen der US-Firma Gilead Sciences auf. Das verschafft Gilead gute Gewinne (2000 Euro pro Patient). Gilead ist bekannt für eine extreme Preispolitik für HIV- und Hepatitis C-Medikamente (Sofosbuvir: 80.000 Euro pro Patient!).

Verschiedene Impfstoffe haben die erste und zweite klinische Phase durchlaufen (Verträglichkeit/Dosierung an kleiner Probandenzahl). V.a. das britische Tandem (Uni Oxford und AstraZeneca) und die indische Firma Bharat Biotech im Tandem mit dem Indischen Rat für medizinische Forschung (ICMR) streben eine schnelle Phase III an mit mehreren 10.000 Probanden. Letztere soll am 15.8. auf den Markt kommen – kaum zu glauben! Das geht nur, wenn die Phase III mit bezahlten Impfdosen läuft. Es ist völlig verantwortungslos, ein nicht endgültig geprüftes und bewertetes Produkt auf den Markt zu bringen.

Angesichts dieser Entwicklung ist zu fordern:
• Zugang aller Menschen zu Medikamenten und Impfstoffen als Menschenrecht
• Kostenlose Versorgung armer Länder auf Kosten der Pharmaprofite
• Versorgung aller Länder mit Masken, Testsystemen usw. auf Kosten WHO
• Ausbau der öffentlichen Gesundheitssysteme mit gleichberechtigtem Zugang für jede/n
• Das RKI als staatliche Behörde steht in der Verantwortung, alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Langzeitfolgen und Schäden der Covid-19-Infektion bekannt zu machen und eigene Studien zu veranlassen um zu klären, wie viele der bislang als „genesenen“ COVID-19-Patienten chronisch geschädigt oder erkrankt sind.
• Ebenso steht das RKI in der Verantwortung, die Ärzteschaft und die Öffentlichkeit über die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Vorbeugung und zur Frühtherapie von Covid-19 zu informiere

Kurzmeldungen:
• Kinder reagieren anders als Erwachsene (Dt. Ärzteblatt 29-30/2020): die Unterschiede werden erklärt durch die unterschiedliche Dichte der ACE2-Rezeptoren und/oder durch die größere Zahl von Gedächtnis-B-Zellen bei Kindern, die breiter wirksame Antikörper bilden und eine noch stärker ausgeprägte unspezifische Abwehrreaktion aufweisen. Fast immer werden Kinder durch Erwachsene angesteckt. Prof. Drosten konnte zwar nachweisen, dass es keinen wesentlichen Unterschied gibt in der Viruslast. Dennoch ist auffällig, dass Kinder die Viren trotz zahlreicher sozialer Kontakte viel seltener verbreiten, sie sind also nicht als Treiber der Infektion anzusehen. „Insgesamt scheinen Kinder demnach nicht nur seltener an Covid-19 zu erkranken, sondern auch seltener durch das SARS-CoV2 infiziert zu werden“. Das erklärt auch die Ergebnisse der Studie von Prof. R.Berner an Schülern zwischen 14-18 Jahren in Dresden: Trotz Covid-Kontakten zeigten sich nur sehr wenige sero-positiv.
• Eine Studie aus New York zeigte, dass von den wenigen Kindern und Jugendlichen, die Covid-Symptome zeigten, weniger als 1 % erkrankten. Dass wenige Kinder eine Multisystem-Entzündung, ähnlich dem Kawasaki-Syndrom entwickeln können, einige auch mit neurologischen Symptomen, sollte beachtet werden.
• Covid-19 als Berufskrankheit: ca. 5762 Fälle könnten von einem schnelleren Prüfverfahren profitieren (Ärztezeitung 10.7.20)
• Chloroquin-Therapie nutzlos: Die WHO stoppte kürzlich den Einsatz in ihrer globalen Solidarity-Studie, die in verschliedenen afrikanischen Ländern durchgeführt wurde. Die Ergebnisse machten deutlich, wie wichtig eine gut funktionierende Gesundheitsversorgung ist, um Erfolge im Kampf gegen Covid-19 zu erreichen (Pharma-Brief 5.7.20)
• Pathologie der Covid-bedingten Lungenschäden: Eine Untersuchung aus der Uni-Klinik Heidelberg an Verstorbenen zeigte einen fleckförmigen Alveolarschaden mit hyalinen Membranen, Mikrothormbosierung und intra-alveolären Einblutungen, bei längerer Erkrankung auch interstitielle Kollagenfaserablagerungen sowie eine Metaplasie der Typ-II-Pneumonzyten. Das legt nahe, dass die mikrovaskuläre Lungenstrombahn frühzeitig geschädigt wird und einen wesentlichen Pathomechanismus ausmacht (frühzeitige D-Dimere-Bestimmung und Antikoagulation, bei Progression evtl. auch fibrinolytische Therapie) DÄB 29-30/2020

Medizinerplattform

Die Medizinerplattform gründete sich auf Initiative von Ärztinnen und Ärzten im InterBündnis Anfang März 2020 in unmittelbarer Reaktion auf die durch den Virus SARS-COV-2 ausgelöste Pandemie und erarbeitet schwerpunktmäßig politische Positionen in Fragen des Gesundheitswesens und des Infektionsschutzes auf wissenschaftlicher Grundlage.

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