Branchenweiter Erfahrungsaustausch über die Arbeiterplattform

Anfang Mai, während der Kurzarbeitszeit, wurde bei Volkswagen, unter den Kolleginnen und Kollegen gefragt wie sich die Lage im Betrieb bzgl. Gesundheitsschutz, Krisenabwälzung etc. auf die Belegschaften auswirkt und was die Arbeiter selber für Forderungen aufstellen wollen.

Selbstkritisch muss gesagt werden, wir haben nur wenige Leute gefragt aber zwei Interviews wollen wir nachträglich gerne als Beginn für einen Erfahrungsaustausch durch die Arbeiterplattform hier veröffentlichen und dazu aufrufen das ihr uns an redaktion@inter-buendnis.de oder direkt an die arbeiterplattform@inter-buendnis.de aus allen Branchen eure Kampferfahrung in diesen Krisenzeiten zu Verfügung stellt, wir müssen von den in den Medien verschwiegenen Kämpfen lernen!

Nach dem Motto: „Laut gegen stille Entlassungen

Die erste Person ist VW Kollege, 39 Jahre, Staplerfahrer in Dreischicht, Fußballfan und ledig.

Hier seine Antworten:

Der Gesundheitsschutz ist im Allgemeinen sehr zufriedenstellend. Allerdings stößt es mir sehr sauer auf, daß in der Nachtschicht bei uns in der Halle zur Zeit kein Sanitäter vorhanden ist und erst angefordert werden muss.

Es ist normal, daß jeder am besten aus der Krise rauskommen will und sei es mit einem blauen Auge. Das ist das gute Recht eines jeden Unternehmens. Und es ist auch normal, daß man dazu nach Subventionen wenigstens fragt. Allerdings sollte vorher über Einsparungen bzw. Kürzungen der Gehälter der höheren Herren nachgedacht werden. Beim Dieselskandal zeigte man sich dahingehend uneinsichtig und der kleine Arbeiter muss es ausbaden. Also warum nicht jetzt ein Zeichen setzen und mal mit guten Vorbild voran gehen?

Ich fordere weiterhin sichere Arbeitsplätze. Und an der Arbeit fordere ich in Zeiten der Coronakrise weiterhin entsprechende Vorkehrungen am Arbeitsplatz, damit sicheres Arbeiten gewährleistet werden kann. Geändert hat sich, daß ein großer Teil der Belegschaft noch zu Hause ist (Kurzarbeit oder da sie zur Risikogruppe gehören). An der Arbeit wird darauf geachtet Abstände einzuhalten und so wenig Kollegen wie möglich zu begegnen. Am ersten Arbeitstag gab es hierzu ein umfassendes Briefing der betrieblichen Vorgesetzten.

(Interview vom 19.05.2020)

Die zweite Person ist VW Kollegin, 34 Jahre, KFZ Mechanikern, Mutter zweier Kinder, verheiratet.

Hier ihre Antworten:

Hey ich habe mir die Fragen angeschaut, diese kann ich doch erst beantworten, wenn ich wieder da bin denk ich.

Meine Kollegen habe ich seit dem 13.03.2020 auch nicht mehr gesehen. Also weiß ich nicht was intern abgeht.

Allerdings kann ich dir Fragen zum Muttersein während Corona beantworten.

Ich kann dir erzählen, wie es ist, seit 2 Monaten rund um die Uhr (24/7) zuhause zu sein – mit zwei Kindern, die niemanden besuchen dürfen, alleine Geburtstag feiern und bespaßt werden müssen und natürlich währenddessen, den gesamten Schulstoff zuhause aufholen müssen, aber keinen Bock darauf haben. Und, und, und…

Ich bin froh, dass ich kein Homeoffice machen muss!!

Immerhin hatten wir tolles Wetter und konnten raus!

Ich drehe nur nicht durch weil ich kein Homeoffice machen muss. Es kommt auf die Eltern und Kinder an. Hast du fleißige motivierte Kinder, läufts von selbst.

Hast du, wie ich, ein Kind das keine Lust auf Hausaufgaben und lernen hat, wirst du täglich auf eine Geduldsprobe gestellt. Musst ständig dabei sitzen, non-stop diskutieren, (eigentlich) ruhig bleiben und alles so erklären können, das es verstanden wird.

Mathe, Deutsch, Englisch und Sachunterricht.

In der Schule, wird dann da angeknüpft, wo wir aufgehört haben. Und ich habe nur ein Schulkind!!!

Mein Kita-Kind, muss während der Hausaufgaben-Zeit warten und sich selbst beschäftigen. Ihm fehlen die anderen Kinder.

Sie sind gar nicht ausgelastet. Ich wecke sie täglich um 7.30 Uhr, weil sie Abends gar nicht müde sind – wovon auch?

Aber am 02.06.20 geht‘s wohl endlich wieder mit Schule und Kita los.

(Interview vom 12.05.2020)

Die Forderungen der Arbeiterplattform vom 01. Mai 2020:

  • Konsequenter Gesundheitsschutz JA: Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen! Undemokratische Notstandsmaßnahmen NEIN: Kein Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten!
  • Kampf den geplanten Massenentlassungen und Werksschließungen!
  • Kein Mißbrauch des Kurzarbeitergelds! Freistellung der Arbeiter für die Zeit nötiger Produktionsschließungen bei vollem Lohnausgleich!
  • Sofortige und dauerhafte Neueinstellungen qualifizierter Kräfte im Gesundheitswesen sowie deutliche und dauerhafte Lohnerhöhungen insbesondere der Pflegekräfte. Schaffung von Ausbildungsplätzen in der Pflege!
  • Für die Übernahme aller Azubis und eine Mindestausbildungsquote von 10% in der Großindustrie!
  • Kampf um die Arbeitszeitverkürzung zur 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
  • Übernahme aller befristeten Kollegen und Leiharbeiter sofort!

Das könnte Dich auch interessieren …