Bericht des Bündnisses zum 1. Mai 2020 aus Gelsenkirchen

Stolz, selbstbewusst – mit vielfältiger, kämpferischer und klassenbewusster Beteiligung und Stimmung. Ein großer Erfolg war die heutige 1. Mai-Kundgebung in Gelsenkirchen, die gegen das Verbot der Stadt Gelsenkirchen erkämpft worden war.


Initiiert von MLPD und Internationalistischem Bündnis entwickelte sie eine solche Anziehungskraft, dass schließlich auf dem Platz am Musiktheater die ganze Bandbreite kämpferischer, internationalistischer, sozialistischer, um demokratische Rechte kämpfende Kräfte versammelt waren. Gleichberechtigt, auf Augenhöhe und vertrauensvoll wurde gemeinsam der internationale Kampftag der Arbeiterklasse würdig gefeiert. In verschiedenen Organisationen gab es im Vorfeld Diskussionen ob man diese Kundgebung machen soll – doch dann entschlossen sich viele Kräfte mitzumachen.
Gekommen waren Repräsentanten des Wahlbündnisses Auf Gelsenkirchen, des Frauenverbands Courage, des Freidenkerverbands, des Internationalistischen Bündnisses, des Jugendverbands REBELL, der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF, der MLPD, der Partei Die Linke, von Solidarität International und der Umweltgewerkschaft. Gewerkschafter aus der IGBCE, der IG Metall und von ver.di waren gekommen, ebenso wie viele Kollegen und Kumpel aus den Betrieben, wie zum Beispiel Küppersbusch, TKES, Pilkington und anderen Gelsenkirchener Betrieben. Menschen aus dem sozialen Dienst, dem Gesundheitswesen oder die in der Kommunalpolitik aktiv sind, waren dabei. Eindrücklich war die internationalistische Zusammensetzung mit Vertretern der Flüchtlingsbewegung, der DIDF, vom Freundeskreis Alassa & Friends und dem Alevitischen Verein. Ebenso gekommen waren Vertreter eines wöchentlichen Protestes gegen den Abbau demokratischer Rechte. Nur die DKP fehlte, die sich mit ihrer Haltung: „Alles MLPD“ ins Abseits stellte. So hatte die Kundgebung 70 feste Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem genehmigten Platz. Mit wechselnden Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Zuhörerinnen und Zuhörern am Rande, waren es aber über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Sehr vielseitig, lebendig und voller Argumente waren die über 16 verschiedenartigsten Redebeiträge. Eröffnet wurde die Kundgebung von Christian Link, Sprecher der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF, der daran erinnerte, dass der 1. Mai 1889 auf dem Internationalen Sozialistenkongress in Paris als Weltfeiertag der Arbeiterklasse beschlossen wurde. Es sprachen der Stadtverordnete Jan Specht von AUF Gelsenkirchen, Christian Zajonc von der Umweltgewerkschaft, Werner Schlegel und Marit Rullmann. Sie kritisierte wie die Grünen und die Linkspartei auf Bundesebene angesichts der Corona-Pandemie die ganzen Maßnahmen der Regierung mittragen – ohne jegliche Kritik. Weiter Gerd Labatzki, ehemaliger Betriebsrat von Küppersbusch, Petra Müller, Gewerkschaftsaktivistin in ver.di.
Besonders tief ins Herz gingen die Ansprachen von Alassa Mfouapon und Isaiah Ehrauyi, die in der Solidaritätsbewegung für die Flüchtlinge aktiv sind. Sie sprachen ihr tiefes Beileid an alle Verstorbenen aus und griffen die Unmenschlichkeit an, mit der die Flüchtlinge im Flüchtlingsheim Ellwangen oder in den Camps in Griechenland schutzlos dem Coronavirus ausgeliefert werden. Sie betonten aber auch, wie sie dagegen die internationale Solidarität organisierten. Stimmung machte der Tanz von Seda und Zumba-Trainer Kaveh Pour-Imani auf die Melodie von Bella Ciao. Allen ging ans Herz, dass die Gelsenkirchenerin, die im Sommer 2019 von einem Stalker mit 21 Messerstichen beinahe ermordet wurde, wieder auftreten konnte.
Weiter sprachen Martin Gatzemeier, der OB-Kandidat 2020 der Linkspartei in Gelsenkirchen, der auch Aktivitäten zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus , ankündigte, sowie Lisa Gärtner für die MLPD, die besonders das kapitalistische Krisenmanagement angriff und die Perspektive des echten Sozialismus ins Zentrum ihrer Rede stellte. Celina Jakobs vom Jugendverband REBELL kritisierte dass die Mai-Losung des DGB: „Solidarisch ist man am 1.Mai nicht alleine“ angesichts der Absage der Maikundgebung die größte Entsolidarisierung ist, die es gibt.
Das Schlusswort hatte Monika Gärtner-Engel, die Hauptkoordinatorin der ICOR¹. Sie lenkte den Blick in die ganze Welt. Darauf wie die Corona-Pandemie überall bereits vorhandene Probleme explodieren lässt – aber vor allem wie auch unter Todesandrohungen die Menschen aufstehen und zum 1. Mai gehen. So entstand ein starkes Gefühl und Selbstbewusstsein, dass wir es besser können und die Zukunft uns gehört. Sehr erfinderisch war, wie die Kundgebung unter Corona-Bedingungen durchgeführt wurde. Die Kinderorganisation ROTFÜCHSE verkaufte Rote Nelken und ihre Kasse dafür hatten sie am Ende eines langen Stockes festgebunden, den sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern darreichten. Alle waren diszipliniert und kamen mit Schutzmaske auf den Platz.
Der Platz war für die genehmigten 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit roten Holzplatten ausgezeichnet, Stühle für ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren organisiert und die Ordner leisteten ganze und sehr zuverlässige Arbeit. Vielen Dank für diese schöne Kundgebung und an die Organisatoren. ¹ ICOR = Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen

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